Das 6. Studierendenparlament der Leuphana Universität Lüneburg hat in der 2. außerordentlichen Sitzung am 2. November 2011 beschlossen den Aufruf des Aktionsbündnis gegen den Castor 2011 für die Verfasste Studierendenschaft zu zeichnen. Die Zeichnung wurde bereits auf der Webseite https://www.gorlebencastor.de/index.php?cont=16_1 vorgenommen.
Das Studierendenparlament distanziert sich hiermit ausdrücklich von jeglichen Aufrufen zum Begehen von Straftaten.
Begründung: Die Suche nach einem geeigneten Endlager für radioaktiven Müll ist eine der komplexesten Aufgaben unserer Zeit. Desto dringender ist ein wissenschaftliches ergebnisoffenes Verfahren. Das Verfahren um das Versuchsbergwerk Gorleben, wurde nachweislich immer wieder durch politischen Druck beeinflusst. Darüber hinaus stammt der größte Teil der Abfälle aus Atomkraftwerken, hätte also durch andere Energieformen vermieden werden können. Die Verfasste Studierendenschaft der Universität Lüneburg engagiert sich seit langem für eine nachhaltige Entwicklung. Als verfasste Studierendenschaft haben wir darüber hinaus den Auftrag „zur politischen Bildung der Studierenden“(§20 NHG). Den Aufruf zum Castor zu zeichnen, bedeutet also die Studierenden auf wichtige gesellschaftliche Fragestellungen hinzuweisen, zu ihrer politischen Bildung beizutragen und die politischen Belange der Studierendenschaft in die Gesellschaft hinauszutragen.
Der Aufruf lautet wie folgt:
Aufruf des Bündnisses gegen den Castor 2011
Castor Stop - Gorleben soll leben!
Acht Atomkraftwerke musste die Regierung abschalten, die Laufzeitverlängerung zurücknehmen – nach der entsetzlichen Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die Anti-Atom-Bewegung große Erfolge errungen. Es waren erste Etappensiege – jetzt geht es weiter!
Wenn im Herbst der Castor-Transport ins Wendland rollt, wird damit der Atommüllstandort Gorleben weiter zementiert. Während die Regierung über ein Endlagergesetz entscheidet, fordern wir mit einer Großdemonstration das endgültige Aus für den Schwarzbau Gorleben. Demonstrieren Sie mit!
Atommüll ohne Ende
Weltweit gibt es kein Endlager, das hochradioaktive Abfälle für eine Million Jahre sicher von der Biosphäre abschließt. Wie schnell die Endlagerpläne platzen, zeigen havarierte Atommülllager. Die Asse säuft ab, Morsleben stürzt ein.
Mit Gorleben kommen sie nicht durch!
Der Endlagerstandort Gorleben wurde in den 1970er Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit willkürlich ausgewählt – aus rein politischen Gründen. Im letzten November wurde die „untertägige Erkundung“ nach zehn Jahren Baustopp von Bundesumweltminister Röttgen wieder aufgenommen. Täglich werden dort Fakten geschaffen – trotz Wasser von oben und Gas von unten.
In diesem Herbst will die Regierung ein Endlagersuchgesetz beschließen. Es droht zu einem „Gorleben-Durchsetzungsgesetz“ zu werden – mit Kriterien, die Gorleben weiter als Endlagerstandort ermöglichen sollen. Wir fordern das endgültige Aus für das Endlagerprojekt im maroden Salzstock Gorleben!
Atomtransporte kreuz & quer
Wenn im November der nächste Castor aus La Hague nach Gorleben rollt, wird nur
vorgetäuscht, in der Atommüllentsorgung bewege sich was. Denn der Müll wird nur von A nach B gekarrt und in luftigen Hallen abgestellt. Ob nach Ahaus, Lubmin,
Gorleben: Atomtransporte sind ein Risiko, das wir nicht hinnehmen können.
Atomkraft? Stilllegen!
Die Reaktor- katastrophe von Fukushima hat erneut gezeigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist. Auch wenn uns die Abschaltung von acht Atommeilern freut: Wir streiten dafür, dass jetzt alle Atomkraftwerke bei uns und weltweit abgeschaltet werden, bevor der nächste GAU passiert. Wir fordern das Ende der Atomindustrie – vom Uranabbau und -anreicherung bis zu den Atomexporten.
Die Alternativen sind da!
Die Regierung bleibt die angekündigte „beschleunigte Energiewende“ schuldig. Eine konsequente Energiewende wird nur in der Hand von kleinen und mittelständigen Unternehmen, Stadtwerken und Bürger/innen gelingen und nicht mit den vier großen Atomkonzernen, die Regierung und Bürger/innen erpressen. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien, Energiesparen und Effizienz.
Wir sind viele: Auf ins Wendland!
Die letzten Monate haben gezeigt: Eine Politik, die über die Köpfe der Menschen hinweg entscheidet und nur Konzerninteressen bedient, ist auf Dauer nicht durchsetzbar, wenn wir uns gemeinsam zur Wehr setzen. Allein durch Parlamentsbeschlüsse wird es kein Ende der Atomkraft geben – es braucht den Druck von der Straße. Stimmen wir ab, mit Händen und Füßen, wenn der nächste
Castor ins Wendland rollt. Castor Stop – Gorleben soll leben